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    Monatswort

    «Geben ist seliger als Nehmen»

    In der Zeit, als Jesus gelebt hat, stand beim Tempel auch ein Gotteskasten. Dieser Kasten wurde als Schatzkammer gebraucht, in den die Abgaben hineingelegt wurden. In Markus 12,41 und Lukas 21,1 handelte es sich um Opferstöcke beim Tempel, wo diejenigen ihre Abgaben hineinlegten, die zum Gebet in den Tempel kamen. Geld, Holz, Wein und Oöl für den Opferbetrieb waren die Gaben. Heutige Opferstöcke für Kollekten stehen bei Kirchenausgängen.

    Zu den genannten Bibelstellen sehen wir folgende Filmszene: Verschiedene Menschen treten heran und werfen Geld ein. Gerade die Reichen fallen auf, weil sie viel hineinlegen. Dann fokussiert die Kamera auf eine Witwe und da sieht man, dass sie zwei Münzen hineinlegt. Gerade als jeder hinsieht und denkt: «Was, so wenig!», hören wir den Kommentar von Jesus zu dieser Nahaufnahme. Er sagt, dass die Reichen nur von ihrem Überfluss geben und diese Witwe alles gibt, was sie hat. Der Reiche: heute vielleicht jemand mit Haus, über 6000 Franken monatlichen Einkünften und ziemlich viel Kapital. Wenn dieser 1000 Franken gibt, ist das ein Bruchteil von dem, was er hat – im Vergleich zu einer Witwe, die mit ihren zwei Münzen, zwei Scherflein, ca. 30 Franken, alles gibt, was sie zum Leben hat, ihr ganzes Vermögen. Da wird peinlich deutlich, was das heisst.

    Auch von der Glückskette weiss man, dass diejenigen, die wenig haben, oft viel grosszügiger geben, weil sie wissen, was es heisst, mit wenig leben zu müssen. Geben ist seliger als Nehmen. Auch bei uns wird an jedem Sonntag ein Kollektenaufruf gemacht, worauf grosszügig gegeben wird. Förderkreis-Spenden und Ihre Steuern ermöglichen der Kirchgemeinde Ittigen, Menschen zu begleiten, zu segnen und das Evangelium, die gute Nachricht, in alle Bereiche des Lebens hineinzutragen. Für Jesus spielt die Höhe der Spende wohl weniger eine Rolle als unsere Herzenshaltung beim Geben. Was aber sicher ist: Auf Grosszügigkeit liegt immer ein Segen, sowohl für den Spender als auch für den Beschenkten.

    Geben ist seliger als Nehmen – was heisst das nun für uns als Reformierte Kirche Ittigen, die eine Kirchensteuer erhebt und damit das Angebot der Kirchgemeinde finanziert? Was heisst das für uns, die wir eine beschenkte Kirchgemeinde sind? Besitz bedeutet Verantwortung. Wir sind uns bewusst, dass wir verantwortlich mit dem uns anvertrauten Geld umgehen müssen. Wir haben nicht nur eine Verantwortung dem Gesetz gegenüber, dass alles korrekt verwaltet wird, sondern auch gegenüber Gott, der uns so reich beschenkt, und gegenüber den Menschen und Werken, die mit uns unterwegs sind. So versuchen wir uns einerseits bei finanziellen Entscheiden zu fragen, was den Menschen dient, wo eine Investition jemandem zum Segen wird. Andererseits pflegen wir seit vielen Jahren einen namhaften Betrag an Werke und Institutionen weiterzugeben, die der grossen Not im In- und Ausland begegnen. Bei einem Einnahmenüberschuss durften wir ausserdem schon oft eine «zusätzliche Spende dank gutem Rechnungsabschluss» auslösen – beschenkt, um zu beschenken.

    Richard Stern, Pfr., und Tobias Weyrich, Diakonie/Mission