«Ganz schön mutig», ...

 

dachte ich, als ich das erste Mal vom Bau der CASAPPELLA in Worblaufen hörte. Das Gebäude wurde im Frühsommer 2009, nach knapp vierjähriger Planungs- und Bauzeit, eingeweiht. Dieses Jahr feiern wir das fünfzehnjährige Jubiläum. Ganz schön mutig, im 21. Jahrhundert in der Schweiz einen Kirchenneubau zu wagen! Vielleicht wurde deshalb bei der Grundsteinlegung gesungen: «Wir woll’n uns gerne wagen, …» (Ref. Gesangbuch Nr. 811; Text: N. L. von Zinzendorf, 1733). 

Jesus, der Grund unseres Kirche-Seins, dachte wohl nie, dass Nachfolge und Gottvertrauen auf besondere Räume begrenzt wären. Oder auf besondere, vom Alltag abgegrenzte Zeiten. Jesus sprach mindestens genauso oft über alltägliche Fragen der Menschen wie über den Himmel. Überhaupt erzählt das ganze Neue Testament wieder und wieder davon, dass seit Jesus Himmel auf Erden gefunden und gelebt werden kann: In den Herzen, den Köpfen und im Handeln von Menschen, die Christus nachfolgen, entsteht das Himmelreich.

Ganz schön mutig, eine Kirche zu bauen! Aber vermutlich nicht besonders herausfordernd, auch wenn es während der Bauzeit einiges Unvorhergesehenes gab. Herausfordernder ist in meinen Augen, Kirche zu sein. Wie Bauten leblos wirken, deren Kunst und Ästhetik niemanden berühren, bleibt eine Kirche ohne Menschen, die sich in irgendeiner Form vom Himmel inspirieren lassen, leer und unbelebt. Ich glaube, Kirche-Sein kann nur geschehen, wenn sich Menschen auf Gott und aufeinander einlassen. So wie es mit der CASAPPELLA gedacht ist: Ein Bau, der Wohnen und Feiern vereint. Eine offene Wegkapelle mit einem Innenhof und Gemeinschaftsräumen für Begegnungen. So wie es auch Zinzendorf in der zweiten Strophe seines Liedes schreibt: «Die Liebe wird uns leiten, den Weg bereiten und mit den Augen deuten auf mancherlei.» 

 

Yvonne Szedlák-Michel, Pfarrerin & Mitglied der CASAPPELLA-Hausgemeinschaft

 


 

 

Bildnachweis: Alexander Gempeler, Bern