Kirche und KI


Ersetzt KI Kirche?

Als Handy- und PC-Supporter, aber auch als Privatperson, nutze ich seit 2023 leidenschaftlich Künstliche Intelligenz – vor allem Google Gemini und ChatGPT. Sie gibt mir in meinem Alltag viele hilfreiche Informationen und ist auch in meinem Glaubensleben eine Bereicherung: Sie führt mich blitzschnell zu jeder gesuchten Bibelstelle und erklärt mir diese bis hin zum hebräischen oder griechischen Urtext. Zudem fasziniert mich, wie treffend und verständlich die KI beliebige Themen (Medizin, Technik, Natur, Kochrezepte usw.) erklären oder zusammenfassen kann.

Was ist nun aber das «Wesen» von Künstlicher Intelligenz? Sie ist ein äusserst redegewandtes, mit Daten gefüttertes, mit Algorithmen dressiertes und von meinen jeweiligen Vor- und Aufgaben bestimmtes Konstrukt, das mir gefallen und mich bestätigen will. Sie kann das Gefühl von Empathie vermitteln und konkret auf meine Worte eingehen, wodurch sie wie ein echter Zuhörer wirkt und darin vielen Menschen überlegen ist. Doch sie hat auch ihre Grenzen: Sie kann mich weder tröstend umarmen, noch in physischer Präsenz einfach still mit mir im Augenblick verweilen. KI ist ein wunderbares Werkzeug für Kopf und sogar Gemüt, aber für die Seele brauche ich zwischenmenschliche Beziehungen und reale Gemeinschaft.

Kirche ist für mich nicht nur diese gelebte Gemeinschaft, sondern ein Ort sozialer Integration sowie ein Stück Lebensweg, den wir miteinander durch Hochs und Tiefs gehen. Ein Ort, wo wir freundschaftliche Treue zueinander anstreben, auch wenn uns zwischenmenschliche Herausforderungen nicht erspart bleiben und wir weder im Paradies noch in ständiger Harmonie leben. Ein Ort, wo wir unsere Nöte und Freuden teilen und gemeinsam vor Gott bringen können. Ein Ort schliesslich, wo wir glauben und erleben, dass Gottes Möglichkeiten dort erst beginnen, wo Verstand und Ratschläge von Menschen und alle noch so exzellenten Antworten der KI uns nicht mehr weiterbringen.

Dominik Breitenbach 


 KI ANTWORTET

  

Was meint KI selbst zur Frage, ob sie die Kirche ersetzen kann?

Antwort von Copilot auf den Prompt: Kann KI die Kirche ersetzen? Mach mir zu dieser Frage einen leicht provokanten Text in mittlerer Länge: 

«Kann KI die Kirche ersetzen? Die Frage klingt zunächst wie ein billiger Zukunftsschocker – und doch trifft sie einen empfindlichen Nerv. Denn was, wenn die Maschine plötzlich besser zuhört als der Pfarrer? Wenn eine KI rund um die Uhr erreichbar ist, nie urteilt, keine Müdigkeit kennt und auf jede Lebenskrise eine wohlformulierte Antwort parat hat?

Die Kirche lebt von Tradition – die KI vom Update. Wer hat also langfristig die besseren Karten? Natürlich wird jetzt jeder einwenden: Glaube ist mehr als Information. Er ist Erfahrung, Gemeinschaft, Transzendenz. Und genau hier liegt der Knackpunkt. Kann eine KI wirklich glauben? Kann sie zweifeln, hoffen, ringen? Oder liefert sie nur perfekt zusammengesetzte Antworten auf Fragen, die eigentlich keine eindeutigen Antworten haben sollten? Vielleicht ersetzt KI die Kirche nicht – aber sie entlarvt sie. Sie zeigt schonungslos, wo religiöse Praxis lebendig ist und wo sie nur noch Routine darstellt. Denn alles, was sich automatisieren lässt, wird irgendwann automatisiert werden. Und wenn Trost, Rat und moralische Orientierung nur noch standardisierte Leistungen sind, dann kann eine Maschine das effizienter.

Am Ende bleibt eine unbequeme Wahrheit: Die eigentliche Stärke der Kirche liegt dort, wo sie nicht effizient ist – im Unfertigen, im Zweifel, im Menschlichen. Dinge, die sich nicht berechnen lassen. Die eigentliche Frage ist also nicht, ob KI die Kirche ersetzt. Sondern ob die Kirche es schafft, etwas zu sein, das ersetzbar bleibt – oder eben nicht.» (Anmerkung der Redaktion: Man beachte die Logik dieses letzten Satzes!)


KI IM KIRCHLICHEN ARBEITSALLTAG

 

Im Pfarramt

Ich habe Künstliche Intelligenz erst spät entdeckt. Lange wollte ich damit nichts zu tun haben, weil sie mir undurchschaubar erschien und mich verängstigte. Inzwischen greife ich regelmässig und dankbar darauf zurück.

So lasse ich mir oft eigene Text sprachlich überarbeiten. Besonders hilfreich war KI im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit der Einführung des Entdeckerweges: Ich schrieb viele Elterninformationen und Reminder und war froh, dass KI mir bei Kürzungen und Vereinfachungen half.

In der Unterrichtsvorbereitung erleichtert mir KI einiges beim Bearbeiten von Bildern. Bei der Gestaltung von PowerPoint-Präsentationen von Bilderbüchern oder beim Erstellen eines Ausmalbildes erspart sie mir viel zeitaufwendige Bildbearbeitung.

In der Predigtvorbereitung frage ich die KI ebenfalls öfters um ihre Meinung. Die Ergebnisse sind unterschiedlich: Vieles ist sehr gut und hilfreich, anderes ungenau oder gar unbrauchbar. Wichtig ist mir ein kritischer Umgang. KI kann unterstützen, ersetzt aber nie mein eigenes Denken und Prüfen. Zudem ist der Austausch über einen Bibeltext mit echten Menschen oft hilfreicher und vor allem erfüllender als das Gespräch mit KI.

Entscheidend bei der Arbeit mit KI ist für mich: Alles, was ich verwende, muss mit meinem Glauben, meiner Person, meiner Überzeugung und auch meinem Stil übereinstimmen. Denn wenn das nicht der Fall ist, verliere ich meine Authentizität.

Barbara Stankowski

 

Im Sekretariat

Wir haben bereits vor einiger Zeit angefangen, uns mit KI auseinanderzusetzen und erste Erfahrungen damit zu sammeln. Durch das Ausprobieren im Alltag, den Austausch im Team und Weiterbildungen entstanden einige Überzeugungen, die sich immer noch laufend weiterentwickeln.

Wer wir sind, prägt unser Tun. Eine Sache, eine Dienstleistung können wir erledigen und KI dazu einsetzen, um Zeit zu sparen oder die Qualität zu optimieren. Die persönliche Note, die mit einer Dienstleistung einhergeht, wird aber von uns als Personen, unseren Haltungen und Einstellungen geprägt. Wir glauben, dass das für unser Gegenüber spürbar ist und nicht an KI delegiert werden kann.

Für sachliche Aufgaben wie Recherchieren, Korrigieren, Generieren von eingängigen Slogans oder ultrakurzen Überschriften, Zusammenfassen von Protokollen und anderen Texten nehmen wir KI in Anspruch. Die letztendliche Verantwortung für das Resultat und dessen Auswirkungen bleibt aber nach wie vor bei uns als handelnde Personen.

Weiter sind wir der Überzeugung, dass zwischenmenschliche Interaktionen sowie persönliche Beziehungen nicht durch KI ersetzt werden können. Beziehung ist und bleibt ein Dreh- und Angelpunkt des christlichen Glaubens. Wenn Gott wirkt, wirkt er daher auch durch Menschen. Wir haben die Hoffnung, dass wir dies als Kirche bis in den Bereich der Dienstleistungen in unvollkommener Weise ein Stück weit verkörpern dürfen. Wir möchten für Menschen ansprechbar und als echtes Gegenüber anwesend sein. Lebendig, echt, integer und nahbar. KI dient uns manchmal dabei, ersetzt uns aber nicht.

Evelyn Schranz und Renate Brechbühl